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  • Michèle Graber

Kein Atommüll in der Zentralschweiz – „Freude herrscht“?



Als die NAGRA (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) ihren Entscheid verkündete, dass sich die weitere Endlagersuche auf die Gebiete Jura Ost und Zürich Nordwest konzentrieren wird, war das Aufatmen in der Zentralschweiz förmlich hörbar. Kein Atommüll im Nidwaldner Wellenberg. „Schwein gehabt!“, dachten die meisten und war in der Stellungnahme der Nidwaldner Regierung zwischen den Zeilen zu lesen.


Diese Reaktionen sind gut nachvollziehbar. Wer will schon auf einen Stollen voller Atommüll oder entlang des Transportweges für radioaktiven Abfall wohnen. Das Problem ist nur: Irgendein Kanton, muss den radioaktiven Abfall in der Nähe seiner Bewohnerinnen und Bewohnern aufbewahren. Es wird noch viel Zeit vergehen, bis die Einlagerung beginnt. Geplant ist, den Standortentscheid 2027 zu fällen, 2029 das Volk darüber abstimmen zu lassen und ein Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle etwa 2050 und eines für hochaktive Abfälle etwa 2060 in Betrieb zu nehmen. Am Ende werden wohl diejenigen den schwarzen Peter ziehen, welche sich am wenigsten dagegen wehren.


Unsere radioaktiven Abfälle müssen sicher entsorgt – oder eher versorgt werden. Aber ist vergraben auch wirklich die Lösung? Dies kann niemand sicher beantworten. Der Zerfall der Radioaktivität dauert je nach Bestandteil mehrere 10'000 Jahre. Das Risiko, dass folgende Generationen gar nicht mehr wissen, welche Gefahren wir 2060 in der Erde vergraben, ist gross. Archäologen waren Jahrzehnte damit beschäftigt, den ägyptischen Pyramiden ihre Geheimnisse zu entlocken und diese Bauwerke sind „nur“ etwa 4.500 Jahr alt. Wie wird das umliegende Gestein in mehreren 1000 Jahren aussehen? Wird irgendwann unser Trinkwasser verseucht? Muss das Endlager irgendwann wieder geöffnet und zurückgebaut werden, weil wir die Auswirkungen falsch berechnet haben? Bleibt das Wissen, wo radioaktives Material gelagert wird überhaupt erhalten? All das wissen wir heute nicht.


Wir tragen aber Verantwortung für die nächsten Generationen, für die Gesundheit unserer Kinder und Enkelkinder sowie für die finanziellen Lasten für eine mögliche Rückholung des Atommülls, den wir ihnen hinterlassen. Einige Stimmen fordern, der Atommüll sollte irgendwo im Ausland entsorgt werden. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist aber eine falsche Herangehensweise. Wir haben den Müll erzeugt, also müssen wir uns auch im seine Entsorgung kümmern – genau so, wie es übrigens im Gesetz verankert ist. Wir müssen dieses Problem lösen – eine andere Wahl bleibt uns nicht.


Wir haben aber eine Wahl, wenn es um die Frage geht, wie viel radioaktives Material es zu entsorgen gilt. Schätzungen gehen davon aus, dass die schweizer AKWs bei einer Betriebsdauer von 50 Jahren 100'000 Kubikmeter Atommüll hinterlassen. Dies entspricht etwa dem Volumen der Zürcher Bahnhofshalle. Ich sage: „Das genügt!“ Wir wissen wenig darüber, welche Gefahren, wir unseren Nachkommen hinterlassen, wir müssen diese Gefahren nicht noch wachsen lassen. Wir sollten endlich aufhören, weiter Atommüll zu produzieren und die Kernkraftwerke abschalten.


Im Wahljahr 2011 waren alle Parteien mit dem Versprechen angetreten, sich für den Ausstieg aus der Atomenergie einzusetzen. Nun verzögern vor allem die bürgerlichen Parteien diesen Ausstieg und sorgen dafür, dass es noch immer kein endgültiges Ausstiegsdatum gibt. Dabei haben wir die Technologien, um die Atomkraft durch saubere und ungefährliche Energien zu ersetzten. Die Grünliberalen sind derzeit die einzige Partei, die dem Schweizer Volk ein Konzept vorgelegt hat, wie dieser Umstieg auf erneuerbare Energien bewältigt und gleichzeitig unsere einheimische Wirtschaft gestärkt werden kann, ohne neue Subventionen und Regulierungen. Nutzen wir diese Chance und sagen am 8. März JA zur Volksinitiative „Energie- statt Mehrwertsteuer“ – damit auch bei unseren Kindern und Enkelkindern noch „Freude herrscht“.

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