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  • Michèle Graber

Bildung unter Sparzwang – Uni-Finanzierung muss neue Wege gehen



Seit das Luzerner Stimmvolk das Universitätsgesetz mit grosser Mehrheit angenommen und damit aus der Universitären Hochschule die vollwertige Universität gemacht hat, sind nun 14 Jahre vergangen. Die neue Universität Luzern hat sich inzwischen prächtig entwickelt und steht trotzdem vor einem Dilemma.


Sie soll und muss wachsen, um sich auf dem nationalen und internationalen Markt ein gewisses Renommee erarbeiten zu können. Nur so kann sie auch in Zukunft für exzellente Forschende und Studierende attraktiv sein. Gleichzeitig ist die Uni dem kantonalen Spardruck unterworfen und muss Leistungen kürzen. Für Wachstum fehlt das Geld.


Universitätsrektor Paul Richli versucht, das Problem selbst zu lösen: Er plant den Aufbau einer vergleichsweise günstigen Wirtschaftsfakultät, deren Kosten von Privaten getragen werden sollen. Besonders gut läuft es bisher scheinbar nicht und das ist nicht überraschend. Die HSLU wehrt sich gegen die Konkurrenz am eigenen Standort und gegen die neue Fakultät läuft ein Referendum. Wer soll bei dieser unsicheren Lage investieren? Es wird Zeit, dass sich der Kanton endlich entscheidet, auf welcher Grundlage sich Forschung und Lehre in Luzern weiterentwickeln sollen. Wenn die Politik bei jeder Entscheidung über die Entwicklung der Uni mitreden möchte, dann muss sie auch bereit sein, diese Entscheidungen zu finanzieren. Wenn die Uni selbst für ihre Finanzierung sorgen soll, muss sie die Freiheit bekommen, die sie braucht, um an private Mittel zu kommen.


Höhere Studiengebühren dürfen kein Tabu sein


Eine Option, die Universität vermehrt privat zu finanzieren, sind höhere Studiengebühren. Meisterprüfungen, Weiterbildungen an Fachhochschulen oder auch Kurse an der Migros Klubschule sind bisher deutlich teurer als ein Studium. Aber wer eine hervorragende Ausbildung geniessen kann, die im späteren Leben gute Karrierechancen eröffnet und ein hohes Einkommen möglich macht, der ist auch bereit, sich an den Ausbildungskosten zu beteiligen. Höhere Studiengebühren wären zudem ein Anreiz, kürzer zu studieren, dadurch die Ausbildungskosten zu reduzieren und dafür länger beruflich tätig zu sein.


Werden die Gebühren erhöht, muss sichergestellt werden, dass auch jene weiterhin Zugang zum Bildungsangebot haben, die sich die höheren Beiträge nicht leisten können. Dafür könnte das Stipendiensystem entsprechend angepasst und interkantonal besser koordiniert werden. Vor allem in der Beteiligung von Privaten an der Finanzierung von Darlehen und Stipendien steckt noch viel Potential. Angebote wie Studienaktie.org bieten bisher nur für wenige Studierende eine Lösung. Auch Bankkredite spielen bei der Ausbildungsfinanzierung – anders als etwa in Deutschland – bisher nahezu keine Rolle.


Alumni-Kultur ist ausbaufähig


Wer eine gute Ausbildung geniessen konnte und Karriere macht, kann sich auch lange nach dem Studium noch mit seiner ehemaligen Ausbildungsstätte verbunden fühlen. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass ehemalige Absolventinnen und Absolventen durchaus bereit sind, von ihrem Einkommen etwas an ihre frühere Uni zu spenden, damit auch andere von guter Bildung profitieren können.


Eine Alumni-Kultur, in der die Universität nicht nur kurzzeitig für ein Studium besucht wird, sondern lebenslang Identität stiftet, kann sich für die Uni finanziell auszahlen. Dies hätte zudem einen angenehmen Nebeneffekt. Für die Universität würde es ausserordentlich attraktiv, ihr Lehrangebot so auszurichten, dass sie ihren Studierenden den bestmöglichen Einstieg in die Arbeits- und Karrierewelt ermöglicht. Nur wenn die eigenen Absolventinnen und Absolventen Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik und Forschung erreichen, gibt es eine Aussicht darauf, dass ein Teil des Erfolges in finanzieller Form an die Ausbildungsstätte zurückfliesst.


Eine entsprechende Alumni-Kultur zu schaffen wäre natürlich Aufgabe der Uni selbst. Wichtig ist bei alldem nur: Die Gelder dürfen nicht dazu führen, dass die Unabhängigkeit der Universität gefährdet wird. Dafür braucht es klare Regeln und Verantwortungsbewusstsein bei allen Beteiligten.


Es gibt Möglichkeiten, das aktuelle Dilemma der Universität Luzern zu durchbrechen. Dafür müssen wir uns aber auf neue Finanzierungsmodelle einlassen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen.

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