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  • Michèle Graber

Prix Velo Infrastruktur für Luzern kommt früh



Der „Prix Velo Infrastuktur“ kommt für Luzern zu früh


Mit dem „Prix Velo Infrastruktur“ werden wegweisende Infrastrukturprojekte für Velofahrende ausgezeichnet. Am 20. Mai konnte die Stadt Luzern diesen Hauptpreis entgegennehmen. Die verantwortliche Organisation Pro Velo Schweiz würdigt damit die mehrjährige Velooffensive namens „Spurwechsel“. Im Herbst 2010 hatte die Luzerner Bevölkerung das „Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität“ angenommen und die Stadt dadurch mit der Förderung des Veloverkehrs beauftragt. Seit 2012 wurden im Rahmen dieser Kampagne einige Lücken im Velowegnetz geschlossen, bestehende Veloverbindungen sicherer und einzelne Lichtsignalanalgen velofreundlicher gemacht. Nicht vergessen sollte man dabei auch die Eröffnung der neuen Velostation mit 1‘100 Abstellplätzen direkt am Bahnhof. Lobenswert ist ebenso, dass im Sinne eines angenehmen Verkehrsklimas das freundliche Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden gefördert werden konnte. Erfreulicherweise hat der Veloverkehr in der Stadt Luzern seit 2013 bereits um über 10 Prozent zugenommen – an einzelnen Stellen sogar um über 20 Prozent!


Gefahren an fast jeder Ecke


Persönlich habe ich das grosse Privileg, auf meinem Arbeitsweg meistens mein Fahrrad verwenden zu können. Täglich muss ich aber feststellen, dass in der Agglomeration und in der Stadt an vielen Stellen die Fahrt mit dem Velo sehr unattraktiv und teilweise gefährlich ist. So enden Velospuren teilweise bei Kreuzungen oder Bushaltestellen abrupt. Auch die Spurverengung bei Fussgängerstreifen oder einzelne Kreisel stellen ein äusserst bedenkliches Sicherheitsrisiko dar. Immer wieder können Auto- und Busfahrer beobachten werden, welche die Kurven schneiden und öfters die Velospuren verwenden und somit die Fahrradfahrende gefährlich abdrängen. Meine persönliche Einschätzung der Risiken wird von einer Studie des Bundesamts für Strassen leider gestützt. Während die Zahl aller verunfallten Personen auf den Schweizer Strassen seit Jahren stark abnimmt, ist die Zahl der verunfallten Velofahrenden im Jahr 2014 rund fünf Prozent höher als noch 2005! Erschreckend kommt hinzu, dass gemäss der Studie besonders bei Kreisverkehrsplätzen der Anteil an Velo-Unfällen sehr hoch ist!


Luzern kann und muss noch mehr tun


Die engen Strassenverhältnisse und die vielerorts nicht optimale Verkehrsführung halten zahlreiche Menschen vom Velofahren ab. Gleichzeitig wird das Potenzial des Velos von der Politik nach wie vor unterschätzt: So muss endlich auch von den Kolleginnen und Kollegen rechts der Mitte realisiert werden, dass ein vermehrtes Umsteigen aufs Velo zugleich einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme sowie zur Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Belastung leisten könnte. Die Stadt Luzern hat mit ihrer Velooffensive den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Damit Luzern den „Prix Velo Infrastruktur“ auch langfristig verdient, müssen aber unbedingt noch viele weitere Schritte zur Verbesserung der Infrastruktur und der Sicherheit folgen!

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