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  • Michèle Graber

Informatiksystem fürs LUKS, Luxusprojekt und Ausschreibungsmängel?



Anfrage über die Ausschreibung eines Klinikinformationssystems des LUKS


Das LUKS führte im letzten September in einem offenen Verfahren für die Beschaffung und Einführung eines Klinikinformationssystems (KIS) durch. Der Zuschlag für den Auftrag erhielt das mit Abstand teuerste Projekt der amerikanischen Firma Epic mit dem Auftragswert von 65.85 Mio. Franken.


Gemäss Ausschreibung galten die folgende Gewichtung der Beurteilungskriterien:

1. Funktionale Anforderungen, Gewichtung 30 %

2. Preis, Gewichtung 20 %

3. Anforderungen an Anbieter, Gewichtung 20 %

4. Nicht-Funktionale Anforderungen, Gewichtung 10 %

5. Anbieterpräsentation, Gewichtung 10 %

6. Referenzbesuche, Gewichtung 10 %

Gewählt werden muss «das wirtschaftlich günstigste Angebot in Bezug auf diese Kriterien».


In der Zeit, in welchem die Bevölkerung mit einschneidenden Sparprogrammen konfrontiert ist und das LUKS ein gewaltiger Investitionsbedarf aufweist, dessen Finanzierung nicht gesichert und wohl schlussendlich nur mit Hilfe des Kantons erfolgen kann, stellen sich bezüglich des Verfahrens und der Auswahl des Systems einige grundlegende Fragen an den Regierung- und Spitalrat. 

  1. Wieso wurde der Preis bei den Auswahlkriterien so wenig gewichtet? Bei vielen Ausschreibungen z.B. des Bundes hat der Preis einen viel grösseren Einfluss.

  2. Hätte der gewählte Anbieter mit noch deutlich höheren Kosten die Ausschreibung durch die geringe Gewichtung des Preises dennoch gewonnen? Das Total der Punkte 5. Anbieterpräsentation und 6. Referenzbesuche entsprechen der Preisgewichtung! Somit reicht eigentlich hier ein Spitzenplatz unter den Bewerbern, um die Ausschreibung Preis/Leistung zu gewinnen.

  3. Es kam bei den Angeboten zu einer riesigen Streubreite von 8 bis 65 Mio CHF. Wie ist dies überhaupt möglich? Wurden hier wirklich anhand derselben Ausschreibkriterien verglichen? Waren die Angebote überhaupt vergleichbar? Hatte der gewählte Anbieter ggfs. Informationen, über die Mitbewerber nicht verfügten?

  4. Wieso benötigt das Kantonsspital Luzern beim KIS eine Lösung, die von ihren Kosten her deutlich über anderen Projekten in der Schweiz liegt? Beim Inselspital wird gemäss Fachleuten das Beschaffungsvolumen auf 10 bis 15 Millionen geschätzt. Das Inselspital ist ja noch um einiges grösser und komplexer als das Kantonsspital.

  5. Konkurrenzprodukte, welche an der Ausschreibung teilnahmen sind in der Schweiz etabliert. Wieso wurde mit Epic ein amerikanisches System gewählt, das kein Referenzprojekt in Europa und der Schweiz vorweisen kann? Das amerikanische Gesundheitswesen unterscheidet sich massiv von demjenigen der USA. Geht das LUKS mit dieser Wahl nicht auch ein grosses und nicht kalkulierbares Risiko bei der notwendigen Neuentwicklung dieses Systems ein. Oder bezahlt das LUKS (indirekt die Steuerzahlenden des Kantons) die Entwicklung eines Systems für den Schweizer Markt?

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